Neulich telefonierte ich mit einer engagierten Studentin. Sie schreibt eine Arbeit über den Tourismus in Serbien. Wir sprachen über die harten Fakten: Wer in der Reisebranche heute international sichtbar sein möchte, benötigt normalerweise ein riesiges Marketing-Budget. Plakatwände in Berlin, TV-Spots in London oder bezahlte Influencer, die Unmengen an Geld kosten.
Doch während wir so diskutierten, kam mir der folgende Gedanke auf:
Brauchen wir wirklich mehr Geld – Oder brauchen wir mehr Herzblut?
Die Inspiration: Wenn Google zum Vorbild wird
Ich erinnerte mich an das Prinzip der Google Local Guides. Menschen weltweit teilen ihre Erfahrungen, bewerten Orte und helfen anderen, sich zurechtzufinden. Kostenlos. Aus reinem Enthusiasmus. Doch diesen Einsatz belohnt Google mit Socken bei viel Glück.
Weshalb nutzen wir dieses Prinzip nicht spezifisch für Serbien? Wir nennen sie nicht „Guides“, sondern Multiplikatoren. Was Serben sind, die ihr Land lieben, die jede versteckte Kafana kennen, und denen es Freude bereitet, echte Begegnungen zu vermitteln.
Was ein serbischer Multiplikator teilt
Es geht dabei nicht nur um die großen Sehenswürdigkeiten wie die Festung von Belgrad oder den Nationalpark Tara. Es geht besonders um jene unverwechselbaren Details, die eine Reise erst wertvoll machen:
- Geheimtipps: Das beste Ausflugsziel am Wochenende, das in keinem Reiseführer steht.
- Ehrlichkeit: Wo sind die saubersten öffentlichen Toiletten? Wie hoch sind die aktuellen Preise im Freibad?
- Aktualität: Wann öffnet das Theater wirklich? Welche Veranstaltung findet heute Abend spontan auf dem Dorfplatz statt?
- Begegnung: Wo kann man als Tourist wirklich mit Menschen in Kontakt treten, statt nur „abgefertigt“ zu werden?
Der „Serbien-Bonus“: Wertschätzung statt nur Punkte
Google verleiht einem für Rezensionen digitale Abzeichen. Das ist zwar nett, aber der serbische Staat und die lokale Wirtschaft könnten viel weiter gehen. Denn sie vermögen es, eine Struktur der echten Wertschätzung zu schaffen. Die dortige Telefongesellschaft könnte den aktivsten Multiplikatoren ein Gratis-Datenabo schenken, damit sie von überall her live berichten können. Die serbische Bahn (Srbija Voz) könnte Freikarten für Recherchereisen ausstellen.
Multiplikatoren sollten keine anonymen User bleiben. Interviews in Zeitungen oder im Fernsehen dürften sie bestimmt zu Gesichtern des modernen Serbiens werden lassen. Womöglich liesse sich mit ihnen sogar eine tolle Sendereihe aufbauen.
Der Staat oder die Kommunen könnten im Interesse dessen Räume für regionale Treffs zur Verfügung stellen. Hier würden sich die Multiplikatoren vernetzen, Wissen austauschen und lokale Events organisieren.
Eine ausgezeichnete Idee ist das Verteilen spezieller Ansichtskarten und Briefmarken an Touristen. Indem dies Multiplikatoren täten, würden sie bleibende, haptische Erinnerungen schaffen.
Wie bauen wir das „von unten“ auf?
Ein solches Projekt lässt sich nicht «von oben» verordnen, denn es muss wachsen. Mein konkreter Ansatz für den Start lautet: Wir starten in zwei oder drei Städten (z.B. Niš, Valjevo oder Sombor) und suchen dort nach den „lokalen Helden».
Eine digitale Heimat, die durch eine Universität entworfen, sich an Google Local Guide orientiert und demokratisch verwaltet wird, könnte dadurch leicht entstehen. Überdies könnten regelmäßige Treffen vor Ort auch Restaurants unterstützen. Durch solch eine Unterstützug der Gemeinschaft von Multiplikatoren würden Restaurants die Initiative aktiv stärken.
Das Ziel: Ein Netzwerk aus Menschen, die nicht für Geld, sondern aus Gastfreundschaft werben. Denn am Ende sind es nicht die Denkmäler, an die wir uns erinnern, sondern jene Menschen, die uns ihr Land gezeigt haben.
Was denkst du? Kennst du jemanden in Serbien, der der perfekte „Multiplikator“ wäre? Lass uns die Idee gemeinsam weiterdrehen!








